Mittwoch, 20. September 2017

Was ist eine "me Convention"? Und für wen ist sie gemacht?

Nach außen ist es eine Konferenz mit visionären Machern, aber eigentlich ist es die perfekte Markeninszenierung für den Daimler-Konzern - ein Coup der selbst erfahrene Markenprofis beeindrucken muss.

Aber alles der Reihe nach: Die 'me Convention' ist der europäische Ableger der SXSW - 'south by southwest' aus Austin. Nach Deutschland geholt hat sie Dieter Zetsche persönlich, indem er im Frühling 2017 nach Texas flog (dazu gab es ein lustiges Video, wie er als Flugbegleiter erzählt, worum es bei der SXSW geht) und sich dort einen Cowboyhut, Stiefel und eine eigene Convention kaufte.

Screenshot (19.09.2017): Daimler auf Instagram
Ich muss zugeben, mich vor der 'me Convention' nicht wirklich mit der SXSW auseinandergesetzt habe. Hätte ich es getan, hätte ich besser einordnen können, was mich erwartet. Die 'south by southwest' ist Ende der 1980er Jahre von einer Gruppe Personen gestartet, die über die Zukunft der Unterhaltung(sindustrie) und Medien diskutieren wollte. Daher geht es immer um Musik, Film und interaktive Medien. Es ist also eher auch Festival als nur Konferenz.

Warum dieser historischer Ausflug? Mit diesem Vorwissen hätte ich in Frankfurt nicht so viele Fragezeichen gehabt bei diesem - wie Daimler es nennt - "internationale(n) Line-Up an Pionieren, Vordenkern, Abenteurern, Künstlern und Grenzverschiebern".

Die vier Vorträge, die ich hören konnte, waren interessant. Sehr gut vorgetragen - ohne Frage. Ich habe auch was gelernt. Ich lerne aber auch etwas von einem guten Blog-Beitrag oder einem ansprechenden Artikel in der Zeit oder 'Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung'. Mir war aber nicht ganz klar, wer die Zielgruppe ist?

Ich sehe Leute, die sich von Konventionen verabschiedet und ausgetretene Pfade verlassen haben. Tolle Menschen - ganz ehrlich. Aber ich kann nicht tun, was sie taten und ich hecke nicht direkt eigene Projekte aus, wenn ich etwas von tollen Projekten anderer höre. Trotzdem fühlen sich alle inspiriert und das liegt daran, dass Gründer derzeit die Rockstars der Generation Golf sind. Während wir täglich wieder ins Hamsterrad steigen, um das Einfamilienhaus abbezahlen zu können, machen sie sinnvolle Sachen.

Aber für wen die "me Convention" tatsächlich gemacht wurde, erlebte man man vor Ort: Die "me Convention" wurde für Daimler gemacht!

Die hippe Konferenz war de facto mit dem Messestand der Stuttgarter Autobauer auf der IAA verwoben! Die Lounge der Convention war eine Art offener Balkon in der Ebene über der zentralen Präsentationsbühne - über und unter den Teilnehmerinnen und Teilnehmern strömte das Messepublikum zu den neuen Highlights. Wir sahen die Messebesucher und die sahen uns.

me mittendrin: Die Convention war de facto Teil des Messtandes auf der IAA
Die Botschaft war klar: Daimler hat nicht nur neue Autos am Start, sondern auch die Hippster, die die Zukunft gestalten. Man konnte das Gefühl bekommen, die Convention sei nur ein weiteres, interaktives Exponat und jeder Teilnehmer ein Werbeträger für die Innovationskraft des Konzerns.

Das klingt nun recht negativ - ist es aber nicht ganz: Ich war beeindruckt von dieser fantastischen Markeninszenierung! Ein bisschen perfide, aber grandios und ganz wie es Daimler immer wieder macht: 'Warum sollte man sich auf einer Konferenz engagieren, wenn die Konferenz ein cooles Add-on auf meinem Messestand sein könnte?' mag man dort in der Marketingabteilung gedacht. "Disruptiv" hat man beim Daimler verstanden.

Freitag, 3. März 2017

Car2Go blockiert Einfahrt zum Garagenhof - und niemand ist zuständig

Tatort: Düsseldorf, Pempelfort. Tatzeit: Freitag Abend nach der Tageschau. Ein Car2Go-Smart blockiert die Einfahrt zu einem Garagenhof mit rund 50 Stellplätzen und Garagen in einem Wohnblock. Im Display blinkt es rot: "Fahrzeug defekt". Vom Fahrer weit und breit keine Spur. Auf der schmalen Wohnstraße stehen über zehn Fahrzeuge in 'zweiter Reihe', weil niemand zu seiner Garage kann.


Mit Car2Go, dem Ordnungsamt und mit der Polizei wurde bereits vor einer Stunde telefoniert. Niemand ist zuständig. Car2Go sagt: "Suchen Sie den Fahrer." Das Ordnungsamt sagt: "Wegräumen um rein zu fahren gibt es nicht. Wenn jemand raus müsste, wäre es etwas anderes." Muss aber gerade niemand raus. Ist ja Freitag Abend und alle wollen rein. Die Polizei sagt: "Keine Gefahr in Verzug. Da ist dann das Ordnungsamt zuständig." Das Ordnungsamt sagt: "Man könne einen Abschlepper auf eigene Rechnung bestellen und gegen Vorkasse abschleppen lassen und sich das Geld irgendwie vom Halter und Fahrer wieder beschaffen." Car2Go sagt: "Wir schicken jemanden mit Vorrang."

22 Uhr. Manche stehen jetzt schon drei Stunden auf der Straße. Frieren und Warten. Vorrang ist eben bei Car2Go auch eine relative Sache.

Am Ende konnte sich das kleinste Auto der Wartegemeinschaft über den Bürgersteig in die Einfahrt schlängeln. Nun ist er derjenige, der raus will. Das Ordnungsamt kommt direkt, Car2Go schickt jemand, der das Fahrzeug öffnet, die Batterie überbrückt und zur Seite fährt. Nach vier Stunden löst sich der Stau auf und alle bleiben genervt zurück. Guter Start ins Wochenende! Danke für nichts.

Donnerstag, 29. September 2016

Social Media Highlights: Opel hat den Längeren

Ich sammele für Schulungen und Vorträge immer gerne gute Beispiele verstandener Social Media Kommunikation. Dabei überlegen wir auch häufig, wie sich eine gute Idee, in den entsprechenden Kanälen "weiterdrehen" ließe - also: Wie kann man einen oben draufsetzen ohne albern zu kopieren.

Heute haben die Kollegen von @OpelDE dem schwäbischen Wettbewerber @DAIMLER gezeigt, wie es geht. Anlässlich des Pariser Autosalons präsentierte der Stuttgarter Autobauer seine neue Elektromobilitätsmarke. Der Vorstandsvorsitzende Zetsche lässt dafür in einem animierten GIF Blitze zwischen seinen Handflächen zucken. Der Text dazu sagt, dass er einen Abschluss als Elektroingenieur habe:


Ein Tag später kommt die Retourkutsche von Opel in Form des verbesserten Amperas, der nun 500 km Reichweite habe. Der Vorstandsvorsitzen Karl Thomas Neumann stellt sich in vergleichbare Zetsche Pose, lässt die Blitze krachen, erhöht mit ausgestreckten Armen mal eben die Reichweite deutlich und grinst dazu schelmisch. Der Kommentar: "College is over!"


Das gefällt! So macht Social Media Spaß! Glückwunsch nach Rüsselsheim: Heute liegt ihr nach Punkten vorne und habt hoffentlich auch bei diesem Tweet die größere Reichweite.

Freitag, 15. Juli 2016

Kunde beschwert sich - Stadtwerke amüsieren sich

Die Straße, in der ich wohne wird gerade aufgerissen. Angeblich sollen Fernwärmeleitungen verlegt werden. Ich weiß zwar nicht, welche Haus in der Straße überhaupt ans Fernwärmenetz angeschlossen ist – aber das ist eine andere Geschichte.

Eine Seite der Straße ist über die ganze Länge aufgerissen, so dass die Straße inzwischen zur Einbahnstraße erklärt wurde. Da es sich um eine Straße, im Düsseldorfer Zentrum handelt, parken die Autos gegenüber des abgesperrten Grabens auch nicht unbedingt ordnungsgemäß. Entsprechend eng ist die Durchfahrt.

Ich parke auf einem Garagenhof hinter der Häuserzeile mit einer schmalen Durchfahrt zur Straße. Wenn nun der Baggerfahrer seinen Bagger mit den Hinterrädern direkt am Ende der Absperrung der Hofeinfahrt abgestellt., verlängert sich der Kurvenweg bei gleichzeitiger Verengung des Radius: Es ist echt knapp bei der vorgeschriebenen Fahrtrichtung auf die Straße zu kommen.

Heute früh habe ich mich leicht verschätzt und bin mit meiner Fahrertür an das Hinterrad des Baggers geraten. Dem Hinterrad des Baggers machte das bei 2,50 Meter Höhe nichts, meine Fahrertür hat eine Beule und einen schwarzen Streifen.

Ich habe mich natürlich über mich und über den Bagger geärgert. Ich wollte die Stadtwerke Düsseldorf anrufen, um darauf hinzuweisen, dass der Bagger lieber ein oder zwei Meter vorfahren und dann erst abgestellt werden sollte.

Soweit die Sachlage. Dann kam mein Anruf bei den Stadtwerken.

Von der Kundenhotline wurde ich zur Zentrale durchgestellt und dann an einen Herrn B. aus dem Bereich Netze. Die erste Reaktion war ein Klassiker: „Ich bin dafür nicht zuständig.“ Man fragt sich manchmal wie ein Land zusammenhängen und funktionieren kann, in dem nie jemand für irgendetwas zuständig ist – aber das ist eine andere Geschichte.

Herr B. könne aber irgendjemanden bescheid sagen, der jemanden bescheid sagt, der dann mit dem Baggerfahrer reden könne – auf gut Deutsch: Hier wird nichts passieren.  Das war zumindest das Gefühl, dass sich bei mir festsetzte und  da ich mich aufregte sagte ich dann irgendwann: „Dieser Scheiß-Bagger…“ - das war mein Fehler. Denn darauf erwiderte Herr B., wenn ich „Scheiß-Bagger“ sage, dann könne man darauf nur antworten, dass der Autofahrer halt nicht Auto fahren könne.

Daraufhin fing Herr B. an zu lachen. Und lachte. Und hörte nicht auf. Und lachte weiter. Und auf die Frage, warum er lache, lachte er weiter. Auf die Frage, was ihm an meiner Frustration so gute Laune bereite, antwortete Herr B., dass er heute seinen letzten Arbeitstag habe und dann in den Urlaub gehe.

Liebe Stadtwerke,

so geht das nicht! Natürlich dürft ihr uns  als eure Kunden kacke finden und dürft uns auch gerne auslachen. Aber es ist keine so gute Idee, zu erwarten, dass der Kunde da gerne mitlachen möchte.

Wenn ihr über uns lacht, dann macht das bitte weniger öffentlich. Setzt euch doch dazu ins Hinterzimmer, wo ihr das Geld zählt, dass ihr mit uns verdient.

Wenn ich bisher keinen Grund hatte zu kündigen, Herr B. hat mir nun einen geliefert.

Ach so, liebe Stadtwerke, euren Bagger könnt ihr trotzdem bitte von der Ausfahrt wegfahren – auch wenn ihr nicht zuständig seid.

Danke.

Freitag, 17. Juni 2016

Warum ich die #DuzRevolution ausrief


Wer mich kennt, der weiß, dass ich kein Freund pauschaler Kollektivverbrüderung bin: Plumpes Spontan-Geduze geht mir gegen den Strich. Besuche im Fitness-Center werden so zum Spießrutenlauf und Einkäufe bei IKEA zu Horrortrips zwischen Holzregalen. Und ausgerechnet ich, der ich immer eher auf ein solides "Sie" anstatt eines dusseligen "Du" setze, habe via Twitter zur "Duz-Revolution" aufgerufen.

Was ist passiert?

Eigentlich nicht viel. Und direkt mit mir hat es auch nicht zu tun. Wir haben im Büro diskutiert: „He, wie sprechen wir eigentlich unsere Fans und Follower auf Facebook und Twitter an? ‚Du‘ oder ‚Sie‘?“ „Na, ja, ist ja Social Media als doch ‚Du‘.“ Kollektives Nicken im Team. Pause. Dann die ketzerische Rückfrage: „Aber warum siezen wir dann auf der Website?“ Schulterzucken. Ratlosigkeit.

Das „Du“ ist der Reflex, wenn man Social Media nur erwähnt. Kann man ja alles machen, wenn man möchte. Aber es ist nicht konsequent und führt zu unnötigen Brüchen, im Kundendialog. Was ändert sich an der Nutzer-Beziehung in dem Moment, in dem er auf der Website auf den Button „Folgen Sie uns auf Twitter“ klickt, so dass er im nächsten Augenblick in Social Media ein „Du“ geworden ist? Ehrlich gesagt, doch gar nichts, oder?

Sind die Sharing-Button wie die Eingangstür bei IKEA oder der Tresen im Fitness-Studio, wo jeder ebenfalls zum „Du“ wird, der direkt davor noch ein „Sie“ war?

Vielleicht sind die Nutzergruppen der Website und der Social Media Kanäle nicht völlig identisch, aber die Überschneidungen dürften schon groß sein. Also dann doch lieber auch bei Facebook, Twitter und Co. siezen?

Die Konsequenz kann auch eine andere sein: Radikales Durchgeduze auf allen Kanälen. So wie es heutzutage de facto ja in jedem Büro schon üblich ist. Die „Duz-Revolution“ aller Orten – sei auch Du dabei! Lasst euch alle duzen!

Aber wer mag, darf mich gerne auch siezen – ich sieze gerne auch zurück.